Wohnpark Burgblick Ulrichstein (WBU) 

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Ferienpark Burgblick in 35327 Ulrichstein (Ostseite)



Erfahren Sie alles über das erste Seniorendorf-projekt im Vogelsberg-kreis:

  • Alternatives Wohnen für die Generation 60 Plus!
  • Auch als Single im Alter nicht allein!
  • Gemeinschaft ohne Zwang!
  • Versorgungssicher- heit durch ein flexibles Netzwerk von Kooperations-partnern!
  • Geeignet für alle Einkommens-schichten!



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  • Karte Ferienpark Burgblick Ulrichstein (klick hier)
  • Seniorendorf-Projekt in der Presse (klick hier)
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  • Webseite "Wohnen im Alter" des Hessischen Sozialministeriums (klick hier)

 

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Der Standort

Hoherodskopf, mit 764 m ü. NN zweithöchster Gipfel des Vogelsbergs

Der Naturpark Hoher Vogelsberg gehört wohl noch immer zu den Geheimtipps für Erhohlungssuchen- de aus dem ca. 80 km entfernten Rhein-Main-Ge- biet. Jedenfalls weist keines der einschlägigen Tourismusportale im Internet den Vogelsberg als eigenständige Mittelgebirgsregion mit besonde- rem Profil aus. Dabei hat die Landschaft zwischen Rhön, Spessart, Wetterau und Westhessischem Bergland nicht weniger zu bieten als beispiels- weise Vulkaneifel, Sauerland oder Bayrischer Wald, stellt sie doch mit 2500 Quadratkilometern das größte zusammenhängende Basaltmassiv vulkani- schen Ursprungs in Europa dar. Es handelt sich hierbei übrigens nicht um einen einzigen großen Schildvulkan, wie von der Fachwelt lange fälsch- lich behauptet wurde. Der Vogelsberg setzt sich aus einer Vielzahl von Einzelvulkanen zusammen, deren Basaltdecken sich überlagern und von ei- nem zentralen Plateaubereich, dem bis 773 m aufragenden Oberwald, ringförmig und treppen- artig zu den Rändern abfallen. Hauptorte der Oberwald-Region (Hoher Vogelsberg) sind Gedern, Herbstein, Schotten und Ulrichstein. 

 

Ulrichstein soll laut G.F. Tauthorns "Ausführlicher Geschichte der Hessen" (S. 488) einst "Mühlstein" (ober-hessisch "Mullstaa") geheißen haben1. In alten Urkunden taucht neben "Mullstaa" aber auch der noch ältere Orts- name "Molestine" auf, was beweist, dass "Mullstaa" eine Verballhornung der älteren, aus den mittelhoch-deutschen Wörtern mol, molle = Eidechse und stin(e) = Stein(e) gebildeten Ortsbezeichnung darstellt. Der ursprüngliche Ortsname bedeutet also nicht "Mü(h)lstein", wie man dies auf historischen Kupferstichen in falscher  Übersetzung lesen kann (siehe Abbildung unten), sondern "Eidechsenstein(e)"!

Errichtet also auf einem Basaltkegel, wo sich einst die Eidechsen tummelten, gilt Ulrichstein heute als die höchst gelegene Stadt Hessens. Sie ist mit knapp über 3000 Einwohnern zugleich auch eine der kleinsten. Die durch Gebietsreform um acht Ortsteile erweiterte heutige Großgemeinde weist außer der nicht unumstrittenen sog. "Windindustrie" keine nennenswerte Industrie auf. 

 

Markantes Erkennungzeichen im historischen Ortskern ist die Ruine der ehemaligen Burg (später Schloss) auf dem 614 m ü.N.N. gelegenen Burgberg, die eine alte Postkartenansicht "ums Jahr 1600" noch als stattliche Höhenburg mit ausgedehntem Wirtschaftstrakt und durch mehrere Türme gesicherter Burgmauer zeigt (siehe Abbildung).

Ihren Ursprung hat die Burg Ulrichstein mutmaßlich Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts. Sie dürfte - entgegen der recht einfältigen Sage von dem Hirtenjungen Ulrich Mull, der einer Schlange das Leben rettete und von dieser mit Reichtümern belohnt wurde, die er zum Bau der anschließend „Mullstaa“ genannten Burg ver- wendete - zunächst zur Sicherung der Grundherrschaft  eines niederen Adeligen errichtet worden sein. Während des Interregnums nach dem Tod Friedrichs II. (1250 bis 1273) und des thüringisch-hessischen Erbfolgekriegs (1247 bis 1264) führte die Schwächung der Zentralgewalt zu willkürlicher Machtausübung örtlicher Grundherren. Tauthorn ordnet die Ulrichsteiner Burg und deren Besitzer  - ähnlich wie die im nahen Petershain und in Rudlos  ansässigen Geschlechter - der Raubritterschaft zu. Vielleicht handelte es sich aber auch nur um Mitglieder des hessischen Uradels, die in der Auseinandersetzung größerer Territorialmächte zwischen die Fronten geraten waren oder sich der falschen Partei angeschlossen hatten. Die "Kriegspropaganda" der damaligen Zeit und die Geschichtsschreibung der Herrschenden machte dann aus politischen Gegnern "Gesetzlose". Im Zuge der Erb- auseinandersetzungen um die Landgrafschaft Thüringen und der Konsolidierung der schließlich abgespaltenen Landgrafschaft Hessen wurden jedenfalls laut historischen Quellen die "Raubschlösser und Mordkauten" von Ulrichstein und Umgebung durch den ersten hessischen Landgrafen Heinrich I. (1244 bis 1308) angegriffen und entweder zerstört (Petershain, Rudlos) oder - wie Ulrichstein - zuverlässigen Gefolgsleuten zu Lehen ge- geben.

 

Im 16. Jahrhundert kehrten die einstigen Raubritterzeiten noch einmal kurzzeitig zurück, als das Schloss an Christoph Ernst, betitelter "Graf von Dietz" (1543-1603) fiel, einen Sohn Landgraf Philipps des Großmütigen aus der Nebenehe mit Margarete von der Saale. Dieser wurde "durch sein unzüchtiges Leben zum Schrecken der Umgebung", bevor seine Halbbrüder, die Landgrafen Wilhelm, Ludwig und Georg, eingriffen und am 7. April 1570 das Ulrichsteiner Schloss eroberten. Der unbotmäßige Schlossherr wurde ob seiner Verbrechen angeklagt und 33 Jahre lang bis zu seinem Tode in der Feste Ziegenhain inhaftiert.

 

Im 30-jährigen Krieg noch mit Wällen und fünf Toren stark befestigt, büßte Ulrichstein seine strategische Bedeutung aufgrund der militärtechnischen Entwicklung (Aufkommen der Artillerie) bald darauf ein und erlebte in den nachfolgenden Jahrhunderten neben dem politischen Bedeutungsverlust auch einen starken wirtschaftlichen Niedergang. Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) wurde die Stadt stark in Mitleidenschaft gezogen. Bei einem Großbrand am 1. Februar 1763, verursacht durch ein mit Schießpulver spielendes Kind, wurde die Ulrichsteiner Altstadt fast völlig vernichtet. Die Stadt verarmte. Zwischen Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts gab es ver-schiedene Hungersnöte. Viele Bewohner Ulrichsteins wanderten aus, ihre Häuser verfielen. Das Schloss, das seit 1570 nur noch als Sitz von Rentmeistern und Amtmännern der jeweiligen hessischen Landgrafen oder Großherzöge fungierte, die hier Wegezoll und Abgaben (den Zehnten) erhoben und die Gerichtsbarkeit ausübten, wurde 1826 von einem Privatmann erworben, der es in den Jahren 1835/36 zu großen Teilen abbrechen ließ und die Steine als Material für Neubauten in Ulrichstein verkaufte. 1853 erwarb das Großherzogtum Hessen-Darmstadt die Überreste der Burg aus Privathand zurück. Für deren Erhaltung sorgt heute ein Bürgerverein.


Aus der Geschichte des "Ferienparks Ulrichstein"

Nach dem zweiten Weltkrieg kam Ulrichstein als Erholungsort zu relativer Blüte, wohl nicht zuletzt dank der exponierten Aussichtslage der kleinen Bergstadt und ihrer Nähe zu den ausgedehnten Wandergebieten des Oberwaldes mit den höchsten Erhebungen des Vogelsbergs, dem Taufstein (773 m) und dem Hoherodskopf (763 m). 1961 eröffnete als erste Einrichtung ihrer Art in Deutschland das Erholungsheim "Haus Ulrichstein" (heute Investitionsruine), das vom Verband der Heimkehrer und dem Kyffhäuserbund betrieben wurde. Ab 1966 wurde durch ein Quellen-Unternehmen aus Neuselters Heilwasser an die Ulrichsteiner Erholungssuchenden ausge-geben. Es wurde für die Folgejahre die Errichtung eines Kurmittelhauses und die Anerkennung als "heilkli-matischer Kurort" ins Auge gefasst. Diese Pläne kamen allerdings nicht zur Ausführung. Anfang der 1980er Jahre setzte man große Hoffnungen auf eine Belebung des Fremdenverkehrs durch Errichtung des "Ferienparks Ulrichstein" am Rand der Kernstadt. Trotz bis heute unverändert günstiger Bedingungen für den Tourismus erfüllten sich diese Hoffnungen jedoch nicht. Über die Gründe schreibt der SPIEGEL bereits 1982:

 

>> "Ferien + Rendite" heißt die Zauberformel. Sicher und lukrativ, so wird verheißen, ließe sich überflüssiges Geld in Feriendörfern anlegen. Das Ferienglück liegt angeblich nicht mehr nur an den Küsten ferner Meere, wo es solche Touristendörfer schon länger gibt. Mit Hochglanzprospekten, die "herrliche, unverbrauchte Natur" anpreisen, werden jetzt die Hänge und idyllischen Talwinkel der deutschen Mittelgebirge vermarktet.

Energiekrise und Rezession, so fabulieren die Werber, hätten dafür gesorgt, dass der Deutschland-Urlaub "der neue Hit im Freizeitgeschäft" sei. Dabei gehe der Trend weg von den Hochhausbetonbunkern und Bettensilos, die seit Jahren bereits die Ostsee-Strände verschandeln; gefragt sei nun der anheimelnde Dorf-Look des "Ferienparks der neuen Generation".

Den Käufern der Ferienhäuschen winken scheinbar mühelos erzielbare "gute und sichere Mieteinnahmen", weil sich "die Reiseveranstalter um diese Ferienobjekte reißen". Doch die Werbesprüche haben mit der Wirklichkeit nicht viel gemein. Weder Reiseveranstalter noch Erholungsuchende sind besonders versessen auf Plätze in deut-schen Feriendörfern. Verdient haben an den Erholungssiedlungen bisher vornehmlich Bau- und Boden-Manager. Die Rendite für die Anleger ist in der Regel dürftig; für die Kommunen, die oft großzügig mit Grund und Geld helfen, kommt wenig oder gar nichts dabei heraus. <<

 

Am Beispiel des Feriendorf-Anbieters Stefan J. gibt der SPIEGEL weitere Einblicke in das Geschäftsmodell der Branche:


>> Die "Tannengrundstücke" im Rheinböller "Märchenwald" hatte ihm die Kommune je Quadratmeter zu zehn Mark überlassen; "günstig", wie er schrieb, reichte er sie für 32 Mark weiter. Ähnlich großzügig kalkulierte Jäckel seine 60-Quadratmeter-"Bungalows". Ohne die happigen Nebenkosten offerierte er ("Verpassen Sie nicht die Gunst der Stunde") das Haus "Typ Hunsrück" für 119 500 Mark; er selbst zahlte für das Haus einen Pauschalpreis von 58 000 Mark.

Obenan auf den Käuferlisten solcher Verkaufsgenies stehen die arrivierten Mittelständler mit dem Drang zum Erst- oder Zweit-Häuschen im Grünen. Mittels "Bauherrenmodell" möchten sie, weiß Marktführer Bernhard Hein aus Bottrop, "ihr Rendite-Ferienhaus am liebsten ganz mit Steuergeldern finanzieren". Dabei übersehen sie meist, wie schlecht die Domizile gebaut sind.

"Nach drei Jahren muss die Innenausstattung total erneuert werden", berichtet Müller-Buchhof heute, "nach fünf Jahren fallen wesentliche Teile der Häuser in sich zusammen." Müller-Buchhof muss es wissen, er baute und verwaltete schließlich Feriendörfer.

Gelockt werden die Kunden auch mit dem Versprechen, dass sie sich um ihren Immobilienbesitz nicht weiter zu kümmern brauchen. Für die Vermietung sorge eine Verwaltungsgesellschaft.

Die Gesellschaften halten auch allerlei Beiwerk parat: Hallenbad, Sauna und Solarium, Tennis- und Reithallen, Ein-kaufscenter, Restaurants und Kegelbahnen. Diese Vergnügungsstätten, von stimmungsmachenden Animateuren belebt, sollen den entscheidenden Konkurrenznachteil der Feriendörfer in deutschen Mittelgebirgen ausgleichen: dass es an Meeresstrand und Sonnenlicht mangelt.

"Man kann dem Gast doch nicht zumuten, dass er bei Regen in der Bude sitzt und nicht weiß, was er tun soll", umschreibt TUI-Sprecher Günter Pölzelmayer die Anforderungen der Reiseveranstalter.

Allzu häufig jedoch half all der touristische Schnickschnack nicht - die nötigen Gäste blieben aus. "Die Konkurrenz ist riesig", gibt Pölzelmayer zu bedenken, "und die Konkurrenz ist ganz Europa, nicht bloß das Feriendorf nebenan."

Und weil die Restaurants Kosten machen, weil Reithallen und Hallenbäder auf Pump gebaut wurden, ist der Konkurs der Trägergesellschaften nicht selten fällig.

Um den abzuwenden, reicht es meist noch nicht mal, wenn die Betten in der Ferienzeit voll sind. In den restlichen zehn Monaten des Jahres muss das Wochenendgeschäft brummen. Betriebsausflüge, Kon- ferenzen und Seminare oder "Müllers tolle Kegeltouren" sollen zusätzliche Einnahmen bringen.

Da ist nur das Dilemma, dass die Gäste, für die das als "familienfreundlich" angepriesene Feriendorf eigentlich gedacht war, solche "Stimmung wie in der Rüdesheimer Drosselgasse" (Müller-Buchhof) meist weniger mögen und am Ende einfach wegbleiben. Zumal der Spaß so ganz billig ja nicht ist.

Im Ferienpark Kirchheim beispielsweise kostet ein Sommerlogis für ein bis drei Personen pro Woche mindestens 845 Mark, im Eifel-Ferienpark Daun sind für sieben Tage Wohnrecht im 75-Quadratmeter-Bungalow gar 1070 Mark zu entrichten.

Das Hessische Umweltministerium fand heraus: "Die Tagesmieten für eine vierköpfige Familie in einem solchen Feriendorf sind im Durchschnitt etwa doppelt so teuer wie der Aufenthalt in einer gleichwertigen privaten Ferien-wohnung oder im Rahmen des Programms Urlaub auf dem Bauernhof."

Fatal für die Feriendorf-Verwalter: Schon wenn die Anlage übers Jahr nur zur Hälfte ausgelastet wird, ist der Betriebsaufwand gemeinhin nicht mehr zu erwirtschaften.

Bleiben die Gäste aus, dann gehen auch die Rechnungen der Kommunalpolitiker aus der anliegenden Gemeinde nicht auf. Mit Millionen haben sie Straßen und Parkplätze, Strom- und Wasserleitungen für die vermeintlich zahlungskräftigen Touristen gebaut. All das zahlt sich nicht aus, wenn die Dörfer nur im Juli und August ausgebucht sind.<< 

 

Genau auf ein solches Feriendorfprojekt fiel auch die Stadt Ulrichstein Anfang der 1980er Jahre herein. Das Konzept der Betreiber - heute würde man von "Ballermann-Tourismus" sprechen - galt bereits in den 1970er Jahren als überholt und musste fast zwangsläufig zum "Entstehen touristischer Spekulationsruinen und Geister-städte" (WOLF, 1978, zitiert nach Heintze) führen. Gottfried Heintze begründet dies in seinem Aufsatz  "Freizeitwohnen und Landschaft" (Heft 57/1990 der Schriftenreihe des Deutschen Rates für Landespflege) damit, dass die "Haupttriebfeder" kommerzieller Feriendörfer auf der grünen Wiese Unternehmer oder Kapitalge-sellschaften gewesen seien, die "zunächst überwiegend an dem Gewinn aus der Errichtung der Gesamtanlage interessiert sind, weniger aber an dem anschließenden Betrieb als Feriendorf". Hier liege sicherlich auch ein Grund dafür, "dass manche Feriendörfer schon kurz nach der Eröffnung in Schwierigkeiten gekommen" seien, "weil man das Management der Träger- und Vermietungsgesellschaften mit der 'linken Hand' betrieben" habe, so dass "von Anfang an [...] ein gewisses Risiko" bestanden habe, "dass spätestens nach Auslaufen der Vermietungsauflage die Häuser für den Fremdenverkehr nicht mehr zur Verfügung"  gestanden hätten, "sondern als Wochen-endhausgebiete oder Dauerwohnsitze genutzt" worden seien, "obwohl dies ja gerade laut ent- sprechender Forderungen des HLROP verhindert werden sollte und die Förderung dieser Feriendörfer durch öffentliche Mittel dadurch geradezu grotesk" wurde. 

 

In der 2009 veröffentlichten Studie "Demografischer Wandel im ländlichen Raum - Perspektiven für Ulrichstein" ist zu lesen:

 

>> Ulrichstein ist staatlich anerkannter Erholungsort. Frühere Zeiten, als jährlich 120.000 Übernachtungen in Ulrichstein gezählt wurden, sind allerdings lange  vorbei. Damals verbrachten Familien aus den Großstädten ihren Urlaub auf dem Land und vorzugsweise in Deutschland. Wesentliche Über- nachtungskapazitäten beherbergte das Feriendorf Burgblick. Heute zählt man in Ulrichstein jährlich dagegen etwa 12.000 Über-nachtungen, mit deutlich ansteigender Tendenz. [...] Heute bestimmen Tagesausflüge oder allenfalls Kurzurlaube den Tourismus, unter den Gästen viele Wanderer und Rad- fahrer, als Kurzzeiturlauber oder auch Tagesgäste.

 

Eine eigene Entwicklung hat das Feriendorf genommen, das seinerzeit von drei Investoren errichtet wurde. Das Feriendorf „Burgblick“ war 1981/82 entstanden und war bis 1998 insgesamt als solches in Betrieb. Es besteht aus 104 Häusern, die bis auf 30 [Korrektur: 40] mittlerweile aber alle privatisiert worden sind. Zur Investo-rengruppe gehörten ursprünglich weitere Feriendörfer u. a. in Frielendorf, in Frankenau und in Hirzenhain. Die Ferienhäuser waren zur Kurzzeitvermietung an Feriengäste errichtet worden. Nach knapp 20 Jahren änderten die Eigentümer jedoch ihre Geschäftsstrategie, verkauften die Ferienhäuser in Einzeleigentum und führten den Übernachtungsbetrieb im Feriendorf auf einen Restbestand an Ferienhäusern zurück - eine Vorgehensweise ohne Rücksicht auf die örtlichen Bedingungen für Tourismus und  Wirtschaft, wie diese zuvor bereits in den ebenfalls geschlossenen Feriendörfern Hirzenhain und Osterode praktiziert worden war. Die Rücknahme dieser freien Übernachtungskapazitäten war dann auch ursächlich für den dramatischen  Rückgang der Über-nachtungszahlen in Ulrichstein, weil große Veranstalter die  Anlage wegen der privaten Nutzung durch Einzel-eigentümer nicht mehr buchen wollten. Auch für den kleinen Restbestand an vermietbaren Ferienwohnungen ist die Nach- barschaft zu den quasi als Eigenheime genutzten Häusern nicht günstig. Die Interessen von dauerhaft Wohnenden und Feriengästen gehen auseinander. Die Entwicklung ist aber heute — selbst wenn das gewollt wäre — kaum mehr rückgängig zu machen."

 

Mittlerweile hat sich in dem ehemaligen "Ferienpark Burgblick" allerdings die Möglichkeit einer anderen "An- schlussverwendung" herauskristalisiert, die weder für Hintze noch die bereits oben zitierte HNA-Studie voraus-zusehen war. Aufgrund der Tatsache, dass bei der tatsächlich auch in Ulrichstein erfolgten (und bis heute nicht abgeschlossenen!) "Privatisierung" viele der Erwerber die einstigen Ferienhäuser als Altersruhesitz nutz(t)en und noch weitere Ruheständler hinzu kommen, drängt sich ein Projekt zur Realisierung alternativer Wohnformen im Sinne eines "Seniorendorfes", vielleicht ergänzt durch Pflegewohngruppen in seniorengerechten Einzelhäusern oder -appartements, geradezu auf. Hier muss - von Sanierungen des mittlerweile durch dreißigjährigen Leerstand in Mitleidenschaft gezogenen Ferienhausbestands einmal abgesehen - keine neue Bauträgermaßnahme erfolgen. Das "Seniorendorf" ist im Grunde bereits vorhanden und kann infolge des Verkaufs eines Großteils der Häuser an eine entsprechende Zahl einzelner Eigentümer, die beim Hauserwerb Kapital eingebracht haben, wirtschaftlich auch nicht scheitern.

Was fehlt, ist ein Quartiersmanagement, mit dessen Hilfe der Stadtteil planvoll zu einem alternativen Wohnprojekt weiterentwickelt wird. Hierzu gehört ein Angebot niederschwelliger Betreuungsleistungen auf der Basis von Nachbarschaftshilfe und evtl. Kleingewerbe, das dem mit dem Alter wachsenden Bedürfnis der Bewohner nach Versorgungssicherheit entspricht. Dieses würde den langfristigen Verbleib der Senioren in den eigenen vier Wänden und die Aufrechterhaltung einer eigenverantwortlichen Lebensführung ermöglichen. Später könnte dann - in Zusammenarbeit mit ambulanten Pflegediensten, Heimträgern und Pflegekassen - auch ein Betreuungs-angebot für Pflegebedürftige resp. deren Angehörige entwickelt werden. Die Feriendorf-Architektur (überwiegend ebenerdige Bauweise, Verkehrsberuhigung, Gelände mit geringem Gefälle) und die Infrastruktur der direkt an-grenzenden Kernstadt inklusive des Alten- und Pflegeheims  "Haus am Schlossberg" in unmittelbarer Nachbar-schaft²) stellen besonders günstige Standortfaktoren für ein solches Vorhaben dar.

 

Im Jahr 2010 hat die örtlich ansässige AVIB gemn. e.V., eine ursprünglich auf Schülerinternate spezialisierte Verbraucherberatungsstelle, ihr Arbeitsgebiet in Richtung auf alternative Wohnkonzepte für Senioren erweitert. Im Anschluss an die oben bereits in Auszügen zitierte HNA-Studie und die darin enthaltenen Vorschläge, das inzwischen in ein reguläres Wohngebiet ohne die Beschränkungen einer Ferien- oder Wochenendhaus-Siedlung umgewandelte "Feriendorf Burgblick" neu zu beleben, wurde über die Webseite der AVIB gemn.e.V. unter der Projekt-Bezeichnung "Wohnpark Burgblick Ulrichstein (WBU)" erstmalig der Plan vorgestellt, die Strukturen eines "Seniorendorfs" als alternative Wohnform zu entwickeln. Dass die Realisierung dieses Vorhabens im größeren Maßstab in den letzten fünf Jahren nicht recht voran gekommen ist, hat verschiedene Ursachen:

  • mangelnde Voraussicht der Bewohner, die die Möglichkeit zukünftig eintretender Einschränkungen ihrer Auto-nomie (Altersbeschwerden etc.) lieber verdrängen als für diesen Fall Vorsorge zu treffen;
  • "Gegenwind" seitens der Stadt Ulrichstein aufgrund falschen Konkurrenzdenkens (hier ist insbesondere der absurde Vorwurf des Bürgermeisters zu nennen, die Wohnpark-Initiative habe in ihrer Programmatik die Arbeit des örtlichen Pflegeheims schlecht geredet (siehe Richtigstellung in der Presse);   
  • Versuche, die Wohnparkidee zu kapern und für individuelle Geschäftsinteressen zu missbrauchen (das Nachbarschafts-Netzwerk als Verkaufshilfe für die Vermarktung des leer stehenden Immobilienbestands der Ferienpark Ulrichstein GmbH). 

Vor allem Letzteres hat die Bemühungen um ein Quartierskonzept für das Wohngebiet "Ferienpark Burgblick" um Jahre zurück geworfen. Lesen Sie hierzu bitte den Beitrag im Anschluss. 


1) Der Name Ulrichstein taucht erstmalig in einer Urkunde von 1279 auf, Stadtrechte seit 1347.  

²) Das "Haus am Schlossberg" in Ulrichstein wurde am 26.06.2014 einer Qualitätsprüfung gemäß § 114 Abs. 1 SGB XI unterzogen und erreichte laut AOK-Gesundheitsnavigator eine Bewertung von 1,2 (sehr gut) im Bereich Pflege und medizinische Versorgung, 1,4 (sehr gut) im Bereich Umgang mit demenzkranken Bewohnern, 1,7 (gut) im Bereich soziale Betreuung und Alltagsgestaltung sowie 1,0 (sehr gut) im Bereich Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene. Gesamtnote 1,3 (sehr gut). Der Durchschnitt der Bewertungen in Hessen (324 von 730 Pflegeeinrichtungen geprüft) liegt bei Gesamtnote 1,2.  


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Bericht des SPIEGEL aus dem Jahr 1982 über Feriendorfpleiten
SPIEGEL_1982_17_14346611[1].pdf
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Auch schon wieder Geschichte... 

Wie Geschäftemacher vergeblich versuchten, unser alternatives Wohnprojekt in Ulrichstein zu kapern

Nachdem das einstige Wochenendgebiet im Jahr 2010 zu einem regulären Wohngebiet umgewandelt worden war, hatte sich dort eine größere Anzahl von Ruheständlern legal (d.h. mit Dauerwohnsitz) niedergelassen. Damit die Bewohner der Generation 60 Plus ihren letzten Lebensabschnitt optimal gestalten und möglichst lange ein aktives und selbstbestimmtes Leben in der gewohnten Umgebung führen können, hat die AVIB gemn.e.V. ein Konzept für Nachbarschaftshilfe entwickelt (siehe http://seniorendorf-wbulrichstein.jimdo.com/).

Diese Initiative stieß anfänglich auf große Widerstände. Zunächst behinderte das Desinteresse der Bewohner des ehemaligen Ferienparks die Entwicklung des geplanten Bürgernetzwerks. Dann versuchte die Ferienpark Ulrichstein GmbH das Projekt für eigene Interessen zu vereinnahmen. Sie saß bei dem 2014 gestarteten zweiten Anlauf (siehe Pressebericht) noch mit am Tisch der AVIB-Initiative, bis deutlich wurde, dass es ihr lediglich darum ging, unter dem Label "Seniorendorf" und "Nachbarschaftshilfe" den noch unverkauften Bestand an Ferienhäusern "so wie er ist" teuer zu veräußern, ohne das Bürgernetzwerk auch nur ansatzweise zu unterstützen oder selbst neue konzeptionelle Ideen einfließen zu lassen. Den ehrenamtlich im Bürgernetzwerk Engagierten war die Aufgabe zugedacht, durch Herstellung eines "freundlichen Umfelds" Verkaufshilfe zu leisten. Als "Gegenleistung" gab es die vage Zusage, einen evtl. zu gründenden Bürgerverein durch eine "Spende" zu unterstützen. Von diesen Plänen konnten wir uns nur deutlich distanzieren.  

Doch es dauerte nicht lange und die Ferienpark Ulrichstein GmbH versuchte erneut, Einfluss auf die sich gerade organisierende Nachbarschaft zu gewinnen. Dies sollte über einen dubiosen "Projektentwickler" geschehen, der sich in die WBU-Initiative einschlich, dann und ein konkurrierendes Wohnprojekt "Siedlung Burgblick" ins Leben rief. Diesem gelang es, das bereits bestehende Projekt "Wohnpark Burgblick" bzw. das Netzwerk "Wir für uns in Ulrichstein" durch Lügen und Intrigen in Misskredit zu bringen und eine sektenartige Anhängerschaft um sich zu scharen. Nachdem wir den selbst ernannten "Guru" jedoch als Hochstapler enttarnt hatten, der ohne Ge- werbeanmeldung und Gewerbeerlaubnis ein illegales "Maklerbüro" betrieb, verschwand dieser über Nacht aus dem Ferienpark und löschte kurz darauf sämtliche Inhalte von seiner Reklame-Seite www.siedlungburgblick.de.

Wie geht es nun weiter?

Aktuell ist unser Projekt durch die selbstsüchtigen Aktivitäten und die Rattenfängermethoden einiger Immobilienspekulanten weit zurück geworfen worden. Aber zu jeder betrügerischen Manipulation gehören Leicht-gläubige, die sich gern auf Märchenerzähler einlassen. Viel Porzellan ist in den letzten Wochen zerschlagen worden, viel Vertrauen verloren gegangen. Die enttäuschten Anhänger des Herrn Hemkendreis grollen und geben jetzt allen anderen die Schuld, nur nicht der eigenen Leichtgläubigkeit und Naivität. Die "Ferienpark Ulrichstein GmbH" vermarktet ihre Gebrauchtimmobilien jetzt wieder selbst - zu Konditionen, die in den letzten dreißig Jahren nicht attraktiver geworden sind. Aus dieser Richtung sind also auch keine neuen Impulse zu erwarten.

 

Trotzdem lassen wir uns nicht entmutigen und arbeiten weiterhin an einer engagementfördernden Infrastruktur, die der Daseinsvorsorge und Versorgungssicherheit gerade (aber nicht ausschließlich) älterer Menschen dient. Wir stützen uns vermehrt auf überregional aktive Kooperationspartner und bauen aus einer kleinen Zelle loyaler Mitstreiter Schritt für Schritt ein neues Netzwerk für gegenseitige Unterstützung auf, in dem niemand allein gelassen wird.

 

Schwierigkeiten in der Gründungsphase, wie sie hier beschrieben werden, sind durchaus keine Seltenheit. Überall trifft man auf divergierende Interessen, Heckenschützen, Trittbrettfahrer und Leute von zweifelhaftem Charakter, die ehrenamtliches Engagement in Verruf bringen, weil sie auf dem "Ego-Tripp" sind oder gern im Trüben fischen. Der Weg vieler ähnlicher Projekte wie der unseres "WBU" wird dadurch lang und steinig. Doch handelt es sich oft um unvermeidliche Klärungs- und Selbstreinigungsprozesse. Jeder Gärtner oder Landwirt weiß, dass das Saatgut rein gehalten werden muss, um nicht unerwünschte Pflanzen groß zu ziehen oder am Ende vor einem Acker voller Unkraut zu stehen. Und es muss sorgfältig gedroschen werden, damit sich Spreu und Weizen trennen. Von daher sind Projekte wie unser "WBU" nichts für Konfliktscheue oder Menschen ohne Durchhaltevermögen.  

 

Wenn Sie als Bewohner des "Burgblick" Interesse an einer Weiterentwicklung zur Quartiersgemeinschaft auf der Basis gegenseitiger Hilfe ("Wir für uns in Ulrichstein") haben oder sich  als zukünftiger "Neubürger" für unser alternatives Wohnprojekt (Wohnpark Burgblick Ulrichstein) erwärmen können, nehmen Sie Kontakt zu unserem Bürgerbüro auf!  Unsere Kontaktdaten:

     

Initiativgruppe  "Wir für uns in Ulrichstein" (WifU)/"Wohnpark Burgblick Ulrichstein" (WBU)

Bürgerbüro der Arbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz (AVIB) gemn.e.V.

Ihr Ansprechpartner: Ulrich Lange

Burgblick 3

35327 Ulrichstein

Festnetz-Tel.: 06645 918789   Mobil: 0170 - 5513947.

Email: AVIB_Ulrichstein@t-online.de

PC-Fax: 03222 377 3044

URLs: http://seniorendorf-wbulrichstein.jimdo.com/ 

 http://www.verein-im-netz.de/AVIBgemneV/2.html

http://freiwilligenzentrum-ulrichstein.npage.de/

http://generationenhilfevogelsbergkreis.npage.de/

http://avib-infocenter.npage.de/

http://alternativeswohnen.npage.de/

Kontaktformular:

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.


Nachbarschaftsarbeit und seniorengerechte Quartiersentwicklung (Anleitungen und Erfahrungen)

Webseite "Quartierskonzepte für den Aufbau von Netzwerken":

http://www.ich-informiere.de/vbsenioren/5.html

Download
Nachbarschaftsarbeit_Annette_Scholl-1.pd
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Engagementförderung Älterer.pdf
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"Sozialräume demografiefest machen!"

In einer wachsenden Zahl von Kommunen ist man endlich aus dem Dornröschenschlaf erwacht und entwickelt konkrete Projekte, um Wohnquartiere seniorengerecht zu organisieren. Große Bedeutung kommt dabei sog. Quartiersentwicklern als Motoren der demografiefesten (seniorengerechten) Umgestaltung von Stadtteilen zu. Das Land NRW stellt jetzt im Rahmen eines Förderprogramms "Entwicklung altengerechter Quartiere in NRW" Kommunen oder Kreisen sogar Mittel zur Verfügung, mit deren Hilfe sie ihnen geeignet erscheinende Quartiere als beispielhafte Sozialräume planen und verändern können. Über gute Beispiele und Konzepte informiert das Landesbüro Altengerechte Quartiere unter www.aq-nrw.de!

 

Mehr lesen... 


                Meinungs-Blog (bloggen Sie mit!):

Was tun, wenn man nicht ins Altersheim möchte?

...fragte vor einiger Zeit das SZ-Magazin. Ein Patentrezept gibt der Beitrag zwar nicht, vermittelt aber die nachfolgende späte Erkennnis:

 

„Heute weiß ich, ich habe mich geweigert, beizeiten über das Altwerden nachzu-denken. Ich meine vor allem über die ganz praktischen Dinge: Wo und wie willst du wohnen? Wer soll das bezahlen? Man soll sich sein Zuhause, seinen Alterssitz, selber bauen. Dass meine alte Wohnung im dritten Stock lag und nur über sehr steile Stiegen zu erreichen war, wusste ich seit 25 Jahren. Dennoch habe ich es immer als sportliche Herausforderung begriffen, mich nie gefragt: Und, wie willst du da mal raufkommen, wenn deine Beine dich nicht mehr tragen? Leben wollen wir alle lang, nur alt werden nicht.“

 

Aktuell machen sich immer mehr Menschen bereits recht früh Gedanken darüber, wie sie nach dem Ausscheiden aus dem Arbeitsprozess leben wollen und ihr Lebensumfeld so gestaltet werden kann, dass eine adäquate Versorgung in allen Phasen des Alterns gewährleistet ist. Aber nur die Wenigsten sind in der privilegierten Situation, für den letzten Lebensabschnitt tatsächlich ein Eigenheim zu er-richten. Die meisten Rentnerinnen und Rentner sind auf Angebote angewiesen, die kommunale Bau-träger oder die private Wohnungswirtschaft entwickeln, um der veränderten Nachfrage gerecht zu werden. Oder sie schließen sich mit Gleichgesinnten zusammen, um neue Wohnformen nach ihren Vorstellungen selbst zu realisieren. Auch hierbei benötigen sie allerdings zumeist die Unterstützung der Politik. Diese reicht - zumindest im Vogelsbergkreis - nach meinem Eindruck noch bei weitem nicht aus. Der Grund liegt in einem traditionellen Altersbild, das immer noch weit verbreitet ist. Und leider erkennt man die Potenziale des Alters für die Entwicklung des ländlichen Raums noch viel zu wenig!


Ulrich Lange

1 Kommentare

Und ewig grüßt... Das Dauerthema Windkraft

Es gibt rund um Ulrichstein eine Reihe gut sichtbarer Windkraftanlagen, über deren ästhetische Reize man durchaus geteilter Meinung sein kann. Über viele Jahre war der Ausbau der Windenergie-gewinnung ein Credo der Ulrichsteiner Kommunalpolitik, sah man sich auf diesem Gebiet doch hes-senweit als Pionier einer weitblickenden Politik und wirtschaftlich im Aufwind. Inzwischen haben sich die Verhältnisse allerdings geändert. Die anfängliche Begeisterung für alle Formen alternativer Tech-nik ist einer gewissen Skepsis gewichen, nachdem man festgestellt hat, dass auch Wind- und Solaranlagen nicht nur Vorteile haben. Berichte von abstürzenden Rotoren oder Kollisionen von Rotmilanen und seltenen Fledermäusen mit den Drehflüglern beflügeln hitzige Debatten mit Umweltschützern und Genehmigungsbehörden. Mittlerweile fürchtet Ulrichstein um einen Großteil seiner Gewerbesteuereinnahmen, weil das Wiesbadener Umweltministerium aus Naturschutzgründen einen Rückbau der gerade zuletzt üppig ins Kraut geschossenen Windenergieparks fordert. Dies wiederum finden nun aber manche Kritiker übertrieben, darunter sogar der "Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland" (BUND).  

Aber auch wir Initiatoren des alternativen Wohnprojekts "WBU" spüren Gegenwind. Nicht jeder, der sich für unseren "Wohnpark Burgblick Ulrichstein" interessiert, kann der Nachbarschaft zu den nicht gerade zierlichen Windrädern viel abgewinnen, vor allem, wenn er die Erwartung hegt, sein Auge - wo immer er auch hinschaut - über naturnahe Landschaft schweifen lassen zu können. Und so bekommen wir zuweilen solche Emails von auf den zweiten Blick dann gar nicht mehr so begeisterten Interessenten:

 

Sehr geehrter Herr Lange,

habe heute Morgen entdeckt, dass Ulrichstein von Windkraftanlagen nur so umzingelt ist. Zufällig habe ich gestern Abend eine Sendung im Fernsehen hierzu gesehen. Es ist also erwiesen, wie gesundheitsschädlich solchen Anlagen sind. Leider - und das bedauere ich wirklich sehr - müssen wir uns von dem Gedanken, in Ulrichstein zu wohnen, verabschieden. Wir wünschen Ihnen weiterhin alles Gute und vor allem gute Gesundheit.

Viele Grüße

K. und B. F.


Wie gehen wir damit um? Rein von der äußeren Wahrnehmung her sind im Wohngebiet Burgblick weder  akustische noch optische Beeinträchtigungen wahrzunehmen. Es scheint so zu sein, dass die von einigen Standorten im Süden, Westen und Norden durchaus sichtbaren Windenergieanlagen weit genug entfernt sind und das Wohngebiet "zufällig" so günstig gelegen ist, dass es von gesundheitsschädlichen Schallemissionen nicht betroffen ist. Grundsätzlich kann man sich allerdings der Argumentation der örtlichen Bürgerinitiative "Gegenwind" nicht verschließen, dass der dünnbesiedelte ländliche Raum den Interessen der Energiepro-duzenten geopfert werde und die Gefahren der derzeit favorisierten Technik in ähnlicher Weise verharmlost würden wie seinerzeit diejenigen der Atomkraft. Auch die "Verschwörungstheorie", dass insgeheim die Kon- zentration der Bevölkerung in städtischen Ballungsgebieten gefördert werde, weil infolge des demografischen Wandels die Infrastruktur "in der Fläche" langfristig nicht mehr finanzierbar und der Schutz von Natur und Umwelt gegenüber dem Erfordernis einer Versorgung der Ballungsgebiete mit Energie und Trinkwasser zweitrangig sei, erscheint angesichts einer Fülle politischer Entscheidungen zu Lasten und zu Ungunsten des ländlichen Raums, dessen Bewohner durch potemkinsche Förderprogramme (siehe MORO) getäuscht und dadurch ruhig gehalten werden sollten, nicht von vornherein abwegig. Zumindest erscheint es notwendig, sich den Interessengruppen, die derartige Ziele insgeheim verfolgen, prophylaktisch entgegen zu stellen. Finstere Machenschaften lassen sich nur verhindern, indem man sie rechtzeitig ans Licht der Öffentlichkeit bringt!   

Ulrich Lange

Kleiner Rückblick auf windenergiefreundlichere Zeiten: